andrea witzmann
Die Dinge fügen sich dem Gefallen. Mir fällt es zu, sie zu stoßen damit sie fallen. Mit Bedacht den Abzug ziehen um das Bild aus dem Lauf der Zeit zu lösen. Funktion und Materialität der Dinge befinden sich in sichtbarem Widerspruch zur Ordnung und Aufgabe ihres Entstehungsgrundes. Die Anordnung im leeren Raum lässt das Auge Verwandtschaft und Sinn in anderer Weise als in der Eignung der Dinge suchen. In Farbe, Reife und Wert schätzen wir den Schatz. Aus dem ursprünglichen Zusammenhang entfernt wird der Gegenstand Teil einer abgebildeten Wunderkammer, einzig und allein dazu da, den Sinnen aus der Ferne ungreifbaren Genuss zu stiften. Auf dem Tablett am Bett, lautlos an meiner Seite während ich schlafe. Der Tisch als Bühne, das zerknüllte Tischtuch Verweis auf das Bettlaken, der Weinkrug... Fenster auf das Selbstverständnis des Augenblicks. Gegenwärtige Überlegungen zur historischen Stilllebenmalerei: die Aussage der Bedeutung der abgebildeten Dinge hat sich heute möglicherweise ins Gegenteil verkehrt. Der Wandel der Symbolik im Laufe der Zeit wurde nicht transkribiert. War ein Insekt Zeichen unserer raschen Vergänglichkeit ist es heute ein Snack. Ende der wurlenden Würmer im verwesenden Fleisch. Immer wieder die Studie als Selbstvergewisserung, der Blick in den Spiegel. Wie wird meine Wahrnehmung rezipiert wenn ich sie abbilde? Selbstversicherung über die Meinung Anderer. Konzentrat des eigenwilligen Agierens lebloser Dinge miteinander. Ich öffne die visuelle Konserve, ein Geräusch oder Geruch der digitalen Frucht entsteht, ein steriles Hybrid der eigenen Erlebnisse, das abgerufen werden kann.

text_ a. witzmann  
volle stunden an verhangenen tagen